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Kronen Zeitung

07.12.2020, 12:38
Bundesliga

LAUTER REDNER GESUCHT

Ein Poltergeist täte gut

Kronen Zeitung
Fehlende Disziplin und Moral: In heiklen Phasen muss auch lautstark Klartext gesprochen werden. Salzburg fehlt so ein Hau-drauf-Redner. 


Salzburg-Trainer Jesse Marsch ist weder ein Choleriker. Noch ein Vulkan, der, wenn einmal unter Druck, plötzlich und ohrenbetäubend explodiert. Wie das früher in Salzburg Giovanni Trapattoni und auch die Holländer Huub Stevens und Co Adriaanse nach Schlappen oder Kritik von außen unüberhörbar offenbarten. Aber es war am Samstagabend in der Südstadt nach der 0:1-Pleite unübersehbar, dass es im Inneren des US-Amerikaners richtig brodelte.

Erstmals in der 19. Saisonpartie blieb Salzburg ohne Torerfolg. „Das Timing ist nicht gut“, gestand Marsch fünf Tage vorm Aufstiegsfinale gegen Atlético. Man hatte jeweils zwei Tore gegen Atlético und Bayern (zuhause) erzielt, acht vor einer Woche in St. Pölten. Doch just gegen die Liga-Schießbude passte im Offensiv-Spiel des Meister gar nichts zusammen. Weil man zudem hinten – wieder einmal – patzte, war die zweite Liga-Pleite im erst zehnten Spiel besiegelt. Zudem mussten die Bullen gestern auch noch die Tabellenführung an den LASK abgeben, dem man am Sonntag auch noch im Spitzenspiel gegenübersteht.

Einer der Sorte Hoeneß

Gründe genug, um einmal ordentlich auf den Putz zu hauen, Tacheles zu reden. Intern, aber durchaus auch medial. Marsch tat das in Ansätzen und auf seine Weise in der Südstadt. Aber diverse Ersatzspieler, die mit jahrelangen Verträgen quasi „unkündbar“ sind, würde ein echter Poltergeist der Sorte Uli Hoeneß vielleicht gar nicht so schlecht bekommen. Ein solcher fehlt in der Bullen-Wohlfühloase aber.

Dass das Gebotene speziell in der Liga zuletzt meist viel zu wenig und einem Meister unwürdig war, muss ganz deutlich angesprochen werden. Dass man trotz riesigem Kader Zweiter ist, muss die Alarmglocken schrillen lassen. Doch weder Schlussmann Cican Stankovic, Kapitän Andreas Ulmer, Jesse Marsch noch Sportboss Christoph Freund gelten als Sympathisanten lautstarker Hau-drauf-Reden.


Valentin Snobe, Kronen Zeitung