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Kronen Zeitung

20.10.2020, 11:28
Allgemein

Maßnahmen als letzte Hoffnung

Kronen Zeitung
„2200 Klubs zittern“, titelte die „Krone“ in der gestrigen Ausgabe! Weil Spekulationen über einen erneuten Fußball-Lockdown im Amateurbereich nicht mehr nur an Kaffeesudleserei erinnern. „Wir kämpfen derzeit dagegen an“, ließ ÖFB-Präsident Leo Windtner am Samstag nach einem Telefonat mit Vizekanzler Werner Kogler wissen. Womit der Fußball-Bund
auch in die Offensive geht, obwohl nicht mehr alle Klubs Einigkeit zeigen. So gab es bei einer „Krone“-Umfrage unter Unterhaus-Vertretern sowohl Argumente für und gegen ein Weiterspielen.


Z ahlen lügen nicht. Sie sind nur nie die ganze Wahrheit! Was für den ÖFB derzeit auch das Hauptargument ist, damit ein erneuter Lockdown im Fußball-Unterhaus verhindert werden kann. Wie die „Krone“ berichtet hat, ist die Gefahr, dass die Herbstsaison schon diese Woche beendet wird, größer denn je.

„Die Zahlen sind ein Beweis für die disziplinierte Umsetzung des erarbeiteten Präventionskonzepts und das verantwortungsvolle Handeln beim Training und bei den Spielen“, sagt ÖFB-Präsident Leo Windtner. Denn von 38.383 angesetzten Spielen in allen Ligen konnten 36.841 Partien planmäßig durchgeführt werden. Das entspricht rund 96 Prozent! Für den Notfall, dass aber die „ganze Wahrheit“ bei der Politik auf taube Ohren stößt, präsentierte man Maßnahmen, die im Rahmen von Spielen ergriffen werden können:

▶ Das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für die Zuschauer.

▶ Eine Schließung der Kantinen mit Spielende.

▶ Oder eine ausschließliche Konsumation von Speisen und Getränken am Platz.


Große Uneinigkeit

Da aber sogar Funktionäre wie St. Valentins Sportchef Harald Guselbauer zugeben, dass der Fußball einen Anteil an den aktuellen Fallzahlen hat, könnten diese Maßnahmen nicht reichen. Zumal die Klubs ohnehin schon jetzt alles versuchen. So wurden etwa in Salzburg bei Anif – Austria alle Besucher in einem Zelt mit einem Sprühmittel desinfiziert. Hertha-Trainer Markus Waldl geht deshalb noch einen Schritt weiter: „Bevor wir die Herbstsaison vorzeitig beenden, spielen wir doch ohne Zuschauer. Es sind nur noch drei Runden zu spielen!“ „Da halte ich aus finanziellen Gründen gar nichts davon“, erwidert Gurten-Sportchef Franz Reisegger. Zumal das dann zu Zuständen wie in Niederösterreich führen könnte, wo zuletzt gleich 66 Spiele abgesagt wurden, weil in orangen Bezirken keine Zuseher mehr erlaubt sind.

Und sogar die Entschädigungszahlungen, die es dort für Geisterspiele gibt, sorgen für Kritikpunkte: „Es sagen Vereine Heimspiele ab, um 1500 Euro zu kassieren und die Spiele dann auswärts zu bestreiten – das kann nicht die Lösung sein“, behauptet Landesportdirektor Gerhard Rumetshofer.

Positiv

Angst um Nachwuchs: Traun-Sportchef Daniel Krestel hofft, dass die Saison trotz der hohen Infektionszahlen fortgesetzt wird: „Ich hoffe, wir ziehen den Herbst durch. Sollte die gesamte Saison wieder annulliert werden, macht es keinen Spaß mehr! Bei uns haben heuer schon elf Prozent der Nachwuchsspieler aufgehört.“

Nur noch kurze Zeit: Dietachs Obmann Markus Sandmair plädiert ebenfalls dafür weiterzuspielen: „Ich bin positiv. Es geht nur um drei Wochen. Jetzt abzubrechen, muss man den Vereinen erst einmal erklären. Wir werden im Leben genug beschnitten, müssen mit dem Virus umgehen, auch auf den Fußballplätzen.

Kaum Infektionen: Rohrbach-Sportchef Markus Eisschiel verweist darauf, dass sich bei der Sportausübung kaum jemand ansteckt. „Es würde mich sehr wundern, wenn nicht weitergespielt werden darf, im Fußball entstehen ja keine Cluster“, so der Funktionär. Nachsatz: „Sollte wirklich Schluss sein, wird’s für viele Vereine bedrohlich. Man weiß nicht, wie sich die Sponsoren verhalten und ob Spieler den Klubs entgegenkommen würden.“


Negativ:

Fehlende Testungen: „Es war vorhersehbar, dass es ohne flächendeckende Tests nicht funktioniert – es stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht“, sagt Oedt-Mäzen Franz Grad und ergänzt: „Beim Fußball wird erst ab fünf positiven Fällen im Team ein Spiel abgesagt, wenn im Büro nur einer infiziert ist, müssen alle in Isolation.“

Aktuelle Entwicklung: Edelweiss-Sportchef Lukas Moser sieht das ähnlich: „Im Frühjahr wurde bei viel weniger Fällen die Saison abgebrochen. Nachsatz: „Ich bin sicher, wenn im Amateurfußball mehr getestet würde, dann hätte es viele Spiele nicht gegeben – ich könnte eine Unterbrechung verstehen.“

Arbeitsplätze der Spieler: Neuhofen-Coach
und Ex-LASK-Profi Mario Hieblinger, der sich mit seinem Team aktuell bereits zum zweiten Mal aufgrund von Covid-Fällen beim Gegner in Quarantäne befindet, könnte eine Unterbrechung der Saison ebenfalls nachvollziehen: „Ich weiß nicht, ob viele Arbeitgeber eine dritte Isolation mitmachen würden – ich könnte es verstehen, wenn ein Spieler aus Angst den Job zu verlieren, aufhört.“