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ASKÖ Kohfidisch

am 7.9.

Derby-Remis in Güssing

Nach der unglücklichen 0:1-Auftaktniederlage in Leithaprodersdorf mit vielen vergebenen Chancen und dem Gegentor erst in Minute 93 konnte Kohfidisch nur drei Tage später in Güssing zumindest den ersten Punkt im durch Corona massiv beeinträchtigten Meisterschaftsjahr 2020/21 erobern. 


SV Güssing - ASKÖ Kohfidisch 1:1 (1:0)


Die Anfangsphase gehörte ganz eindeutig dem Heimteam. Güssing war von Beginn an hellwach, zog sich geschickt zurück und setzte Kohfidisch durch aggressives Pressing im Mittelfeld unter Druck, um sofort nach Balleroberung blitzschnell umzuschalten und gefährlich vor dem Gästetor aufzutauchen. Schon wenige Sekunden nach dem Anpfiff ergab sich eine erste Einschussmöglichkeit, in Minute 6 war es dann aber so weit, Güssings Torjäger vom Dienst, Rasser, wurde durch die Mitte ideal in die Tiefe geschickt und ließ David Kraft im Kohfidischer Gehäuse keine Chance zum Eingreifen. Kohfidisch wirkte vor allem in den ersten dreißig Minuten behäbig und ideenlos, schob den Ball ohne Bewegung in der Verteidigung hin und her und fand kein Rezept, um die kompakt stehende Heimmannschaft auch nur annähernd in Bedrängnis zu bringen. Offensivaktionen gab es so gut wie keine, dafür aber immer wieder Ballverluste, die zu weiteren gut herausgespielten Torgelegenheiten für Güssing führten. Doch einmal war Rasser zu unpräzise und ein weiteres Mal rettete der herauseilende David Kraft alleine gegen Kulovits. Und als der Ball ein zweites Mal im Netz landete, war davor schon auf Abseitsposition entschieden worden.

Erst gegen Ende der ersten Halbzeit erfing sich die Kohfidischer Mannschaft ein wenig. Andras Egyed, der erstmals als linkes Glied in der Viererabwehrkette eingesetzt wurde, fand sich allmählich besser zurecht. Gleichzeitig gab es auch erste zaghafte Angriffsaktionen der Kohfidischer, aber erst unmittelbar vor dem Pausenpfiff kam man dem Güssinger Gehäuse wirklich gefährlich nahe. Es blieb aber bei einer mehr als verdienten Güssinger 1:0-Pausenführung.

Leistungssteigerung in Halbzeit zwei


In der Halbzeitpause wechselte Dominik Ballwein wie schon in Leithaprodersdorf auf die linke Verteidigerposition und für Andras Egyed kam der leicht angeschlagene Kevin Hasler ins Spiel. Und mit einem Mal änderte sich der Spielverlauf total, Kohfidisch übernahm das Kommando und setzte das Heimteam von Minute zu Minute mehr unter Druck. Der Ausgleich lag jetzt in der Luft. Nach einer schönen Aktion über rechts brachte Stefan Gaal den Ball scharf zur Mitte und Julian Binder war zur Stelle, aber auch in dieser Situation wurde auf Abseits entschieden. Nur wenige Minuten später war es erneut Stefan Gaal, der für Schwung über rechts außen sorgte, im Strafraum aber regelwidrig zu Fall gebracht wurde; Julian Binder, der sich sonst nicht wie gewohnt in Szene setzen konnte, verwandelte den Strafstoß bombensicher (67.).

Vieles deutete in dieser Phase darauf hin, dass das Spiel nun völlig zugunsten der Kohfidischer kippen könnte. Güssing wirkte komplett verunsichert, nach vorne gelang vorübergehend überhaupt nichts mehr, und hinten schwamm man nach Nöten. Ganz anders Kohfidisch, wo der Motor jetzt so richtig auf Touren lief. Stefan Gaal über rechts und Dominik Ballwein über links machten mächtig Dampf, auch das zentrale Mittelfeld rund um einen bärenstarken Dominik Farkas kam immer besser ins Spiel, und vorne strahlte Kevin Hasler mit seinen flotten Antritten große Gefahr aus. Eine entscheidende Situation stoppte dann allerdings den Elan der Gäste wieder: Kevin Hasler wurde im Strafraum (neuerlich elferwürdig?) von den Beinen geholt und musste nach nur dreißig Minuten im Einsatz verletzungsbedingt ausgetauscht werden, und das, nachdem Michael Wölfer, gemeinsam mit Hannes Polzer in Halbzeit zwei ein Bollwerk im Abwehrzentrum, schon wenige Minuten davor verletzt vom Platz hatte humpeln müssen. Damit war es wieder vorbei mit dem Dauerdruck, den Kohfidisch ausgeübt hatte. In der Schlussphase kam Güssing wieder auf und zu guter Letzt hätte das Spiel beinahe wie das in Leithaprodersdorf enden können, denn in der Nachspielzeit klatschte ein Schuss der Güssinger an die Außenstange. Es blieb aber letztlich beim alles in allem gerechten 1:1-Unentschieden.

Als Kohfidisch-Fan war man nach dem Schlusspfiff hinsichtlich seiner Gefühle ein wenig hin- und hergerissen: Ein Punkt aus zwei Partien ist sicher nicht der Start, den sich alle Beteiligten gewünscht haben, und die erste Halbzeit förderte das Wachstum der grauen Haare gewaltig. Die dreißig Minuten nach dem Seitenwechsel dokumentierten aber, dass mit Kohfidisch durchaus wieder zu rechnen ist, wenn alle das abrufen, was in ihnen steckt. Die Frage ist nur, ob das in diesem Jahr so einfach möglich sein wird.

Bei diesem „Spielunrhythmus“ – zuerst zwei Absagen und drei Wochen lang kein Pflichtspiel, jetzt innerhalb von zwölf Tagen gleich vier Meisterschaftsbegegnungen – steht vor allem hinter einem ein großes Fragezeichen: Wie lässt sich so etwas im Amateurbereich überhaupt bewältigen? Und ganz konkret: Wie soll man da größere und kleinere Wehwehchen auskurieren? Angesichts derart grundsätzlicher Sorgen rückt das Sportliche fast ein wenig in den Hintergrund. Umso mehr darf man allen Spielern zu ihrem Einsatz in diesen schwierigen Zeiten gratulieren, und zwar unabhängig von den Ergebnissen, und allen alles Gute wünschen, vor allem den Verletzten! 

Mag. Franz Stangl